Totengebräuche im alten Samoa

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wenn in früheren Zeiten in Samoa ein Familienvater zum Sterben kam, wurden Boten ausgesandt, damit alle Familienangehörigen sich versammelten. Alle feinen Matten, die die Familie besass, wurden aut und um den Sterbenden gehäuft, damit er sich zum letzten Male an seinem Reichtum erfreuen konnte; denn die feinen Matten repräsentierten als Tauschobjekte einen hohen Wert und waren darum sehr begehrt.

Lautes Weinen und Klagen wurde angestimmt und die Götter und der „Dämon Tod“ um Mitleid angefleht. Im Schmerze schlugen sich die Verwandten und Freunde die Köpfe mit Steinen blutig.

Trat der Tod ein, so erfüllten Weinen und Wehklagen das Haus. Der Dämon und die Götter, eben noch um Hilfe angerufen, wurden nun geschmäht und beschimpft, weil sie die Bitten nicht erhört hatten. Dann ging man die Leichenfeier zu rüsten.

Junge Burschen schaufelten ein nur wenige Fuss tiefes Grab in der Nähe der Hütte und bedeckten Boden und Seiten mit Korallenstücken vom nahen Riff. Ebensolche Korallenplatten dienten nachher zum Schliessen des Grabes.

Der Leichnam wurde einigen alten Frauen überlassen, die ihn auf ein Lager von Rinderstoffen aufbahrten und ihn mit Kokosnussöl einrieben. In seltenen Fällen und nur bei hohen Häuptlingen wurde er einbalsamiert. Der am Morgen Gestorbene wurde meistens am Abend schon begraben, sonst am andern Morgen früh.

Im Sterbehause durfte niemand Speise und Trank zu sich nehmen, nur die Totenfrauen, doch durften diese selbst nichts Essbares berühren, sie wurden gefüttert. Erst wenn der Tote beerdigt war und sie gebadet hatten, waren sie wieder rein und durften Speise wieder berühren.

Das Grab wurde, nachdem es mit Korallensteinen geschlossen war, einige Fuss hoch aufgeworfen und in den fogenden Tagen mit Lavasteinen belegt, oft stufenweise sich nach oben verjüngend. War die Beerdigung vorbei, so begannen die Leichenschmause, die tief in der Nacht in wilde Sivas (samoanische Tänze) übergingcn.

Den grössten Wert legte man darauf, dass der Verstorbene in seimr Heimat begraben wurde, und war jemand in der Fremde gestorben, so wurden später seine Knochen wieder ausgegraben, um in der Heimat ihre letzte Ruhe zu finden. Starb jemand eines gewaltsamen Todes, z. B. im Kriege oder sonst durch Zulall im Freien, nicht im Hause, so glaubte man, dass sein Geist in irgend einer Tiergestalt umherirrte, und gelang es nicht, ihn einzufangen und mit dem Körper zu begraben, so konnte er als böser „aitu“ (Dämon) noch vielen Schaden anrichten.

Um den Geist zu greifen, legte man ein grosses Stück Rindenstoff an die Stelle, wo der Tod den Verstorbenen ereilt hatte, nieder und wartete, bis irgend ein Tier, sei es eine Eidechse, eine Heuschrecke oder gar nur eine Ameise sich darauf zeigte. Man nahm an, dass dasselbe den Geist beherberge, schlug das Tuch schnell darüber zusammen und legte es dem Verstorbenen ins Grab. Jetzt erst hatte dieser Ruhe und konnte zur Unterwelt fahren, deren Eingang nach Ansicht der Samoaner auf der stark vulkanischen Insel Sawai liegt.

Dieser Aberglaube hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten.

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