Deutsche Schutzgebiete Beiträgen

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Am 1. Juli 1890 hat das Deutsche Reich durch ein Abkommen mit England, den sogenannten Zanzibar-Vertrag, seine Ansprüche auf diese reiche Insel und andere wertvolle Gebiete auf dem afrikanischen Festland aufgegeben und dafür die Insel Helgoland eingetauscht oder wie damals ein Engländer spöttisch äusserte, einen alten Hosenknopf gegen eine neue Hose. Es hat heute keinen Zweck mehr, jenem Tausch nachzuweinen, wobei wir dahingestellt sein lassen wollen, ob Helgoland wirklich so wertlos ist. Von Zanzibar sind unsere ersten Erwerbungen in Afrika ausgegangen, die weiteren Geschicke der Insel entbehren daher nicht eines gewissen Interesses für uns, besonders da Zanzibar unter dem Einfluss der deutschen Arbeit an der ostafrikanischen Küste sehr an Bedeutung als Seehandelsplatz verloren hat.

Am 25. August 1896, nach kaum dreijähriger Regierungszeit, starb in Zanzibar der Sultan Seyid Hamed bin Thueni. Der Tod des Herrschers und der damit verknüpfte Thronwechsel rief einen schweren Konflikt zwischen dem Arabertum des ostafrikanischen Inselreiches, mit der eine wenig verschleierte Oberherrschaft dort ausübenden, britischen „Protektoratsmacht“ hervor.

Weiterlesen Das Bombardement von Zanzibar im Jahre 1896

Kolonie und Heimat

Tsingtau

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

In den heissen Sommermonaten strebt ein jeder Europäer, der es nur irgend ermöglichen kann, danach, aus den Städten Chinas ins Gebirge zu flüchten. Aus diesem Grunde erfreut sich das Lauschan-Gebirge im Kiautschougebiet immer regeren Besuches. Grosse Anerkennung gebührt dem Bergverein Tsingtau, einem Zweigverein des Deutsch-Oesterreichischcn Alpen-Vereins, der in dem schwierigen Gelände des Lauschan-Gebirges schon viele gute Wege geschaffen hat. Die einzelnen Ausflüge sind durch farbige Merkmale gekennzeichnet, so dass man im grossen ganzen auch ohne Führer allein seine Kletterpartien unternehmen kann. Einen Chinesenjungen mitzunehmen wird jedoch bei weiteren Touren angeraten, da nicht überall Wegzeichen angebracht werden können. In dem einsamen Gebirge würde man hilflos und verlassen sein, wenn einem etwas passierte. Auf meinen Reisen in Japan und China hielt ich mich auch in Tsingtau drei Wochen auf und genoss hier die Annehmlichkeiten eines Seebades, doch war die im August 1908 herrschende Hitze so schlimm, dass ich lieber eine Woche im Gebirge zubrachte. Die Durchschnittstemperatur im August betrug nämlich früh 8 Uhr: 23 ⅓, abends 8 Uhr: 27 ¼, und die des Wassers mittags 12 Uhr: 25 ½ Grad Celsius. Zusammen mit einem Bekannten aus Schanghai brach ich eines schönen Tags um die Mittagsstunde auf und langte abends im Wagen am Mecklenburghaus an. Dies ist das Genesungsheim für unsere deutschen Soldaten, und zugleich dient es auch den wenigen Touristen als Aufenthaltsort. Auf einer am Mecklenburghause aufgestellten Tafel suchten wir uns am andern Tage eine „kleine“ Tour aus, und zwar „nach dem Wasserfall: ¾ – 1Stunde“.

Weiterlesen Eine Bergfahrt im Kiautschougebiet

Kiautschou

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

von Dr. Paul Rohrbach.

Haben die Leser von „Kolonie und Heimat“ schon etwas von „Tanganital“ gehört? Wenn nicht, so sollen sie nach Usambara gehen, eine kleine Rundtour durch das Farmgebiet am Fuss der Berge machen und als Abschluss die Bezirkshauptstadt auf der Höhe von West-Usambara besuchen; da kennen sie Tanganital. Es ist eine etwas kolonialdeutsch ausgefallene abkürzende Zusammenziehung der Namen der drei Bezirke Tanga, Pangani und Wilhelmstal, die zusammen das zukunftsreiche Pflanzungsgebiet in der Nordostecke von Deutsch-Ostafrika ausmachen. Wilhelmstal ist der einzige von den dreien, der ganz binnenländisch ist; er umfasst den grösseren Teil von Usambara, die südliche Hüllte des Paregebirges und ein Stück der Masaisteppe. Ich sagte vorhin „Hauptstadt“ und will gerne bekennen, dass dieser Ausdruck etwas vorgreifend ist, denn unser Bild von Wilhelmstal entspricht in der Tat rnoch nicht ganz den heimischen Ansprüchen an eine „Stadt“.

In Afrika verlangt man aber nicht so viel; mitunter ist man schon zufrieden wenn als erste Anweisung auf die künftige Stadt wenigstens das Hotel — sieht. Der „Sächsische Hof“ in Wilhelmstal ist ein gutes afrikanisches Hotel, wobei für Leute, die von einem Hotel Luxusgenüsse verlangen, bemerkt sein mag, dass der Ton in Afrika natürlich auf afrikanisch liegt. Hier ist man überhaupt froh, wenn man an einen Ort kommt, wo einmal das Expeditionsszelt nicht aufgeschlagen zu werden braucht und der Pischi nicht mit der stereotypen Frage erscheint, was er heute kochen solle.

Weiterlesen Wilhelmstal: Die erfolgreiche Siedlung in West-Usambara

Kolonie und Heimat