Milchwirtschaft auf einer südafrikanischen Farm

aus dem Kunstmuseum Hamburg


So am taufrischen Morgen ist es auf einer afrikanischen Farm wunderschön. Die Nachtkühle hat Menschen, Tiere und die umgebende Natur herrlich erfrischt. Ueber allem ruht noch eine bläulich fahle Dämmerung, die dem Ganzen eine so überaus eigenartige Stimmung verleiht. Bald zeigt sich der grosse leuchtende Sonnenball und überstrahlt alles mit grellem Licht.

Auf den Werften (so nennt man die Siedlungen der Eingeborenen) wird’s munter. Eine jede Werft besteht aus mehreren Familienpontocks: dem Kral (kreisförmige Dorneneinzäunung) für das Grossvieh und demjenigen für das Kleinvieh (Schafe und Ziegen) sowie dem pontockartigen Bau, der den Unterschlupf für die kleinen Lämmer bildet. Ruppig aussehende, bissige Munde, die meist die schönsten Namen haben, kläffen zwischendurch.

Die Milchkühe müssen einzeln eingefangen werden, was bei dem wilden Weidevieh oft recht schwierig ist. Der Kuh wird, um sie an der Fortbewegung zu hindern, um die Hinterfüsse ein Lederriemen geschlungen und dann wird ihr das Kalb zugeführt. Laute, trendige Begrüssung. Nach einer Weile wird das saugende Kalb mit einem Stock weggejagt, damit in den Eimer gemolken werden kann. Bemerkt die Kuh, dass ihr Kalb nicht mehr trinkt, so muss das Manöver wiederholt werden, weil sonst die Kuh die Milch vollständig verweigern würde.

Auf ähnlich umständliche Weise erlangt man die Milch bei den Bockis (Ziegen). Mit schnellem Griff werden sie am Hinterfuss erfasst, festgehalten und nach rückwärts gemolken. Erst wenn genug Milch abgemolken ist, werden die Lämmer zugelassen. Nun entfaltet sich ein lustiges Treiben, dem jeder gern zusieht. Die sehr niedlichen graziösen Zickchen stürzen hungrig aus dem Lämmerkral heraus und suchen sich die Mutter. Unter Lauten Hin- und Herrufen findet sich alles schnell zurecht. In gieriger Hast trinken die kleinen Ziegen den Rest der Milch. Den sich irrenden, noch umhersuchenden Tierchen helfen die Hirten zurecht, die von jedem Lamm wissen, zu welcher Mutter es gehört. Wir hatten Schwarze, die sich hierbei niemals irrten, auch wenn sic über hundert Lämmer zu versehen halten. Ist die Arbeit des Melkens vorüber, so treibt man das Vieh zum Wasser. Nur die kleinsten Lämmer und Kälber bleiben zurück, da sie noch nicht auf die Weide dürfen, sondern von farbigen Kindern in der Nähe der Werft gehütet werden. Das Tränken geschieht vielfach an künstlichen Staudämmen, und wo diese nicht vorhanden sind, an der „Fütz“ (Tümpel) im „Revier“ (Flussbett). Bekanntlich haben die meisten Flüsse in Südwest Grundwasser, fliessen unterirdisch, so dass man in der Trockenzeit nur breite, weisse Sandflächen — die Flussbetten — sieht. Wenn nun in solchem Flussbett ein tiefes Loch gegraben wird, so sammelt sich darin immer wieder Wasser und bildet eine „Pütz“, aus der das Wasser in die Wassertröge gefüllt wird. Die kleinen und grösseren Hirten laufen schnalzend und rufend dazwischen umher und schaffen Ordnung. Inzwischen haben die Hererofrauen die mit Milch gefüllten Eimer auf ihrem Kopf ins Farm haus getragen.

Die Milch wird hauptsächlich zur Bereitung von Butter und Omeire verwendet, auch bekommen die Leute davon als Beigabe zu ihrer Kost. Die während einiger Stunden in Schüsseln gestandene Vollmilch wird abgesahnt und in die Kalabass (getrockneter Flaschenkürbis) gegossen, in der sie sich durch Gärung in Omeire verwandelt. Omeire ist ein Nationalgetränk der Farbigen, wird aber auch von den meisten Europäern als erfrischendes, nährendes Getränk geschätzt. Der Geruch des Omeire erinnert an denjenigen von frischen Aepfeln. Ein zu reichlicher Genuss soll berauschend wirken.

Wenn die Menge der abgeblasenen Sahne genügt, wird sic in einem irdenen Butterfass gebuttert. Die Hauptsache ist, die Sahne jederzeit in richtiger Temperatur zu erhalten, was bei der grossen Hitze zuweilen viel Kopfzerbrechen und Aergcr verursacht. Zentrifugen und Buttermaschinen sind bis jetzt verhältnismässig noch wenig im Gebrauch.

Der Preis für ein Liter Milch ist durchschnittlich 50 Pf., für ein Pfund frische Butter 2 bis 3 Mark. Zur heissen Zeit schmeckt dick gewordene Milch nicht gut, wird daher vielfach zu Käse verarbeitet.

Hatten wir reichlich Butter, so wurde davon eingeschmolzen, indem man sie auf gelindem Feuer langsam kochen liess, abschäumte und den Bodensatz entfernte. Eingeschmolzene Butter hielt sich, in Steintöpfen aufbewahrt, monatelang und konnte zum Backen und Kochen verwendet werden.

Bei Milch, Butter und Käse ist in manchen Gegenden von Südwest die Nachfrage weit grösser wie das Angebot, daher ist die damit verbundene Arbeit lohnend und einträglich.

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