Kategorie: Kiautschou

aus dem Kunstmuseum Hamburg

I. Abschnitt, II. Abschnitt, III. Abschnitt, IV. Abschnitt, V. Abschnitt, VI. Abschnitt, VII. Abschnitt, VIII. Abschnitt, IX. Abschnitt, X. Abschnitt.

Als der Friede von Schimonoseki 1895 den Krieg zwischen China und Japan beendet hatte, zögerten die am ostasiatischen Handel beteiligten Mächte nicht, ihre Interessen nachdrücklichst zu wahren und sich wichtige Vorteile für die Unterstützung zu sichern, die sie dem geschlagenen Riesenreiche bei den Friedensverhandlungen hatten angedeihen lassen. Es ward immer deutlicher, dass sich der wirtschaftliche und industrielle Fortschritt Chinas nicht mehr aufhalten liess. Das ungeheure Land war für die Erschliessung durch europäisches Kapital reif geworden und versprach, einer der zukunftsreichsten Weltmärkte zu werden, nachdem sich seine riesige, arbeitsame Bevölkerung solange gegen das Ausland ablehnend verhalten hatte. Sehr fraglich ist es, ob Chinas Teilnahme am Welthandel dereinst zum Heile Europas sein wird und ob wir uns späterhin der chinesischen Nebenbuhlerschaft werden erwehren können. Nachdem aber der mehr oder minder gewaltsame Eröflfnungsprozess einmal eingeleitet ist, gilt es, möglichst viel von dem zunächst zu erwartenden Gewinn einzuheimsen. Zu diesem Zwecke und um gleichzeitig die politische Entwickelung im fernen Osten besser zu überschauen, beeilten sich Russland, England und Frankreich, den massgebenden Einfluss, den sie bereits auf jenem verheissungsvollen Schauplatze des wirtschaftlichen Wettbewerbs ausübten, noch mehr zu festigen. Nur Deutschland unterliess es, sich eine starke Stellung zu schaffen, obgleich sie eine unabweisbare Notwendigkeit war. Das zeigte nicht bloss der eben zu Ende gegangene Krieg, sondern nicht minder drängte darauf hin der deutsch-chinesische Handel, der in den letzten Jahrzehnten sich verdreifacht hatte und heute unmittelbar, wenn auch in weitem Abstande, hinter dem englischen folgt. Musste doch die erst 1886 eingerichtete Reichspostdampferlinie sehr bald die Zahl ihrer Schiffe verdoppeln und statt des vierwöchigen den 14-tägigen Betrieb einfuhren!

Allerdings erhielten wir beim Friedensschluss zwei sogenannte Kronkonzessionen d. h. zwei Gebiete, die, obwohl chinesisches Eigentum, uns zu alleiniger Benutzung überlassen wurden. Das eine Konzessionsgebiet befindet sich in Tientsin, dem Vorhafen der Reichshauptstadt Peking, das andere liegt in Hankou am Jangtsestrom. Letzteres ist von besonderer Bedeutung, weil die wichtige Zweimillionenstadt, die trotz ihrer weiten Entfernung von der Küste (600 km) von den grössten Dampfern erreicht werden kann, den Hauptstapelplatz für den Theehandel und die Einfuhr in die chinesischen Mittelprovinzen darstellt. Einmal besassen jedoch die andern Staaten längst diese Vergünstigung, und dann bot ein solcher Besitz weder einen geeigneten Stützpunkt, noch einen zweckentsprechenden Beobachtungsposten dar, so dass Deutschland nach wie vor eine nur durch Verträge in China zugelassene Macht blieb. Ein Volk aber, das in dem Masse auf den Weltmarkt hingewiesen ist wie das deutsche und das in Ostasien schwerwiegende Interessen zu verteidigen hat, musste schliesslich daran denken, ebenfalls ein wenn auch noch so kleines Küstengebiet als unbeschränktes, unter seinem Hoheitsrecht stehendes Eigentum zu erwerben. Wollten wir in China und Japan wirtschaftlich und politisch nicht an zweiter Stelle stehen, so mussten wir eine Heimstätte besitzen, damit die deutsche Arbeit und Intelligenz dem eigenen Vaterlande Nutzen bringen und nicht mehr wie früher Fremden zu gute kommen sollte. Ferner machte die zunehmende Ausdehnung unseres Handels seit Jahren die dauernde Anwesenheit eines schützenden Kriegsgeschwaders in den ostasiatischen Gewässern notwendig. Die Kriegsschiffe brauchen aber ebenso wie die Handelsschiffe einen Zufluchtsort, in dem sie ausgerüstet und ausgebessert werden, Kohlen und Lebensmittel einnehmen oder Unterschlupf und Ersatz finden und dadurch ihre Schlagfertigkeit verdoppeln können, ohne von dem guten und manchmal auch weniger guten Willen neidischer Nachbarn abhängig zu sein.

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Deutschlands Kolonien Kiautschou

Abbildungen Deutschlands Kolonien in Farbe Kiautschou

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Die Gastfreundschaft gehört zu den wenigen guten Eigenschaften im National-Charakter der verschiedenen Eingeborenen-Stämme in Deutsch-Ostafrika. Zumal in den älteren, von der neuzeitlichen Kultur noch unberührten Zeiten beruhte aller Wandel und Verkehr in Ostafrika auf einem weitausgedehnten, gastfreundlichen Bewirtungs-System, das heutigen Tages eigentlich nur noch innerhalb der eigenen Stammesgemeinschaft und der, allerdings recht weit reichenden persönlichen Freundschaften ausgeübt wird. Schon hingst hat auch hier das zivilisierte System der Bezahlung mit klingender Münze die fremdenbewirtende Freigebigkeit der Naturvölker abgelöst, die bei einzelnen Stämmen an die Schilderungen des Tacitus über die Gastfreundschaft im alten Germanien erinnerte. Der Mammon übt auch hier mehr und mehr seine nivellierende Wirkung in der Völker-Psyche aus. Immerhin ist es heute noch geradezu erstaunlich, wie weitgehend ein Neger jederzeit bereit ist, seine Mahlzeit, seinen Haustrank und sein Obdach mit ihm gar nicht besonders nahestehenden Rassegenossen zu teilen, die der Zufall oder die Absicht in sein Haus oder Dorf gebracht hat.

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Kiautschou Kolonie und Heimat

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Bekanntlich ist unsere deutsch-asiatische Kolonie durch die Besitzergreifung des Landes durch Admiral von Diederichs am 14. November 1897 begründet worden. Die direkte Veranlassung hierzu bot die Ermordung zweier Missionare in der Stadt Kiautschou. Das gesamte deutsche Gebiet hat hiernach seinen Namen erhalten. Die Stadt Kiautschou gehört aber nicht zum deutschen Schutzgebiet, sondern liegt in der „Neutralen Zone“, etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt unseres Gebietes, Tsingtau, entfernt.

Um nun auch diese Stadt, die unserer Kolonie den Namen gegeben hat, kennen zu lernen, fuhr ich eines schönen Tages mit der Schantung-Eisenbahn früh 7 Uhr ab und traf ein. Kiautschou liegt eine Viertelstunde vom Bahnhof und ist mit einer hohen, zinnengekrönten Mauer ringsum eingeschlossen. Ich hatte die kühne Absicht, auf dieser Mauer einmal vollständig um die Stadt herumzuwandern, sie aber, besonders an den Toren, zu sehr eingestürzt war, konnte ich nach einer Stunde Wegs nur gerade bis zur Hälfte gelangen. Hier musste ich schliesslich mein Beginnen aufgeben, denn an einer vollständig demolierten Stelle war das Erklettern der Fortsetzung der Mauer mir nicht mehr möglich und zu gefährlich. Auch die regelmässig gebauten Zinnen fehlten oder waren baufällig. Was dem Zahn der Zeit getrotzt hatte, stand schief und krumm und drohte einzustürzen.

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Kiautschou