Kategorie: Deutsche Schutzgebiete Südsee

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Ehe die Samoaner unter deutscher Gerichtsbarkeit standen, hatten sie schon ihre eigene Rechtspflege. Diese war natürlich sehr primitiv, da in den meisten Fällen Macht und Stärke vor Recht gingen, und beim Mangel einer höchsten anerkannten Autorität die Streitigkeiten durchschnittlich zwischen den beteiligten Familien zum Austrage kamen, wobei man sehr häuiig zur Blutrache griff.

Allerdings wurden einzelne Verbrechen, wie Mord, Ehebruch, Beraubung von Taropflanzungen in grösserem Stil oder schwere Beschimpfung angesehener Familien oder Häuptlinge, ihrer Schwere wegen vor den Dorfrat, bestehend aus den älteren angesehendsten Männern der Dorfschaft, gebracht und durch diese abgeurteilt. Mord allein wurde mit dem Tode bestraft. Sonst bestand die Strafe meist in Herbeischaffung einiger fetter Schweine und einer bestimmten Anzahl Taro und Yams. Genügte dies dem Kläger nicht, und war er aus angesehener Familie, so konnte diese Strafe noch verschärft werden durch Zerstörung des Hauses und der Pflanzung. Ebenso wurde er in solchem Falle häuiig zum „ifoga“ verurteilt, dem Akte der schwersten Demütigung, der mit grossen Sühnegeschenken an feinen Matten und Schweinen verbunden war.

Noch 1905 erlebten wir ein solches „ifoga“, als übermütige, unbotmässige Häuptlinge mit Gewalt das Gefängnis der kaiserlich deutschen Regierung erbrachen und einen der Ihrigen befreiten. Das „ifoga“ geschieht in der Weise, dass die Schuldigen schon bei Tagesanbruch sich vor das Haus des Beleidigten, in diesem Falle die Residenz des Gouverneurs, begeben, beladen mit Feuerholz und Steinen. Zur Sühne bringen sie feine Matten und Schweine. Feuerholz und Steine sollen bedeuten, dass sie es dem Beleidigten überlassen, sie wie Schweine zu rösten. Diese Demütigung konnte Stunden währen, ehe sie angenommen wurde. Im alten Samoa galt das „ifoga“ für die grösste Schmach. Ob die Samoaner aber auch heute noch, da sie ihren alten Sitten und Gebräuchen immer mehr entfremdet werden, und speziell ob sie so dem Weissen gegenüber empfinden, ist eine grosse Frage. 1905 hat sie wohl die Furcht vor noch schlimmerer Strafe, wie vielleicht die Deportation nach einer fernen Insel, zum „ifoga“ getrieben.

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Deutsche Schutzgebiete Südsee

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wenn in früheren Zeiten in Samoa ein Familienvater zum Sterben kam, wurden Boten ausgesandt, damit alle Familienangehörigen sich versammelten. Alle feinen Matten, die die Familie besass, wurden aut und um den Sterbenden gehäuft, damit er sich zum letzten Male an seinem Reichtum erfreuen konnte; denn die feinen Matten repräsentierten als Tauschobjekte einen hohen Wert und waren darum sehr begehrt.

Lautes Weinen und Klagen wurde angestimmt und die Götter und der „Dämon Tod“ um Mitleid angefleht. Im Schmerze schlugen sich die Verwandten und Freunde die Köpfe mit Steinen blutig.

Trat der Tod ein, so erfüllten Weinen und Wehklagen das Haus. Der Dämon und die Götter, eben noch um Hilfe angerufen, wurden nun geschmäht und beschimpft, weil sie die Bitten nicht erhört hatten. Dann ging man die Leichenfeier zu rüsten.

Junge Burschen schaufelten ein nur wenige Fuss tiefes Grab in der Nähe der Hütte und bedeckten Boden und Seiten mit Korallenstücken vom nahen Riff. Ebensolche Korallenplatten dienten nachher zum Schliessen des Grabes.

Der Leichnam wurde einigen alten Frauen überlassen, die ihn auf ein Lager von Rinderstoffen aufbahrten und ihn mit Kokosnussöl einrieben. In seltenen Fällen und nur bei hohen Häuptlingen wurde er einbalsamiert. Der am Morgen Gestorbene wurde meistens am Abend schon begraben, sonst am andern Morgen früh.

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